martin vallo >> don't spook the horse!

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This article was written on 19 Sep 2011, and is filled under Busch des Tages.

Des Vollmonds Lieben und Leiden

Ich ging allein – es war schon spät -,
Die Gassen waren leer und öd;
Da sah ich, wie der Vollmond sich
Ganz heimlich durch ein Fenster schlich.

Durchs Fenster in ein Kämmerlein
Zu einem Mädchen, dem zulieb
Ich spät noch in den Straßen blieb,
Und dem ich selbst schon fast ein Jahr
Vergeblich nachgestiegen war.

Seit jener unglücksel'gen Nacht
Hab' ich kein Auge zugemacht;
Die Eifersucht hat mich erfaßt,
Ich hab' dem Monde aufgepaßt.

Doch er, er kam zu meiner Freud
Nicht wieder zu derselben Zeit,
Und erst in letzter Nacht, da schlich
Er wieder durch die Gassen sich. –

Doch ach, wie sah er traurig aus.
Er war so blaß – es war ein Graus.
Er war so blaß, er war so falb,
Er war nicht ganz, er war nicht halb.

Man sah's im an, daß er fürwahr
Bereits im letzten Viertel war.
Als ich darauf ihm nachgespürt,
Da ist ein säuisch Ding passiert.

Zum Mägdlein ging er nicht, o nein!
Er stieg – beim Apotheker ein.
Durchs Fenster stieg er heimlich still –
Ich möcht' nur wissen, was er will.

Du guter Mond, was ist mit dir?
Du kommst mir schon bedenklich für.
Fast scheint es mir – ich glaube fast -,
Daß du, o Mond, den Schnupfen hast,

Hast heut vielleicht zuviel studiert,
Dem Stein der Weisen nachgespürt,
Und steigst beim Apotheker drum
Hinein ins Laboratorium.

Da wandte sich und sah mich an
Und sprach zu mir der blasse Mann,
So ist es nicht wie du es denkst! –
Vom Schnupfen, Freund, bleib' ich verschont,
Ich bin die Nachtluft schon gewohnt.
Den Stein der Weisen fand ich längst.

Drum steig ich hier nicht heimlich ein –
Ich suche – Hi=Ha=Höllenstein.
Und suchst du Hi=Ha=Höllenstein,
So dauerst du mich sehr;
und jenes schöne Mägdelein,
Das lieb' ich nimmermehr.

 

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